Ein eindrucksvolles Zeugnis für die demokratische Kultur im Markt Donaustauf ist beim Neujahrsempfang am Sonntag Mittag im Bürgerhaus abgelegt worden. Bürgermeister Jürgen Sommer begrüßte im vollen Saal fast 200 Bürgerinnen und Bürger, darunter zahlreiche Vertreter der örtlichen Vereine, ehrenamtliche Mitarbeiter aus dem gesellschaftlichen Leben und eine Sternsinger-Gruppe der Pfarrei St. Michael. Die Festrede hielt die Direktorin der Akademie für Politische Bildung in Tutzing, Prof. Ursula Münch, die aus dem „Sonntags-Stammtisch“ des BR-Fernsehens bekannt ist.
Ausgehend vom heurigen Motto der Sternsingeraktion „Schule statt Fabrik – Sternsingen gegen Kinderarbeit“ rief der Bürgermeister dazu auf, gerade in diesen unsicheren Zeiten Wohlstand und Frieden besser zu schätzen. Sommer rief in Erinnerung, dass Kinder in Bayern hervorragende Schulen kostenlos besuchen können und die Unternehmen mit ihren fleißigen Mitarbeitern, gerade im Raum Regensburg, einen Wohlstand ohnegleichen möglich machen. Das müsse gesichert werden – auch und gerade durch eine Kampfansage gegen Radikale von rechts und links. Der Bürgermeister rief zu einer hohen Beteiligung an der Wahl am 8. März auf und dankte allen 64 Bürgerinnen und Bürgern, die sich auf vier Listen zur Wahl stellen. Sommer appellierte außerdem an die Bewerber um das Bürgermeisteramt: „Wir diskutieren über die Sache, weniger über Personen. Wir werden uns auch am 9. März in die Augen schauen können. Und wenn es gaaanz schlimm kommt, dann schauen wir uns halt am 23. März in die Augen.“
Die Direktorin der Akademie für Politische Bildung in Tutzing, Prof. Ursula Münch, griff in ihrer Festrede den Appell des Bürgermeisters auf. Sie sagte wörtlich: „Unsere Verfassung kann uns nicht schützen, wir sie schon.“ Sie erinnerte auch an die Worte von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der mit Blick auf die unsicheren Zeiten gesagt hatte, die Welt dürfe „keine Räuberhöhle werden“. Sie kritisierte auch diejenigen, die dem politischen System in Deutschland Einschränkungen der freien Meinungsäußerung vorwerfen und ergänzte: „Nach dem Grundgesetz haben die Grundrechte, die demokratischen Strukturen und die Werte unserer Verfassung immer Vorrang. Das bedeutet: Selbst die größte Mehrheit kann sich nicht über Recht, Werte und demokratische Strukturen hinwegsetzen.“ Das sei eine der Lehren aus der Geschichte in Deutschland. Mit Blick auf die derzeitigen Umfragewerte der AfD appellierte sie an alle Patrioten, die „Deutschland-Feindlichkeit“ der sogenannten Alternative mit persönlichem Engagement zu bekämpfen. Es sei trotz der Krisen und Umbrüche im täglichen Leben falsch, nach einem Sündenbock zu suchen. Sie warnte außerdem vor der Verführbarkeit der Massen durch „autoritäre Versprechungen“. Am Ende ihrer Rede rief sie zu einer Reihe von Tugenden auf, etwa die Tugend der Tat, die sie gerade im Engagement der Feuerwehren und der vielen weiteren Ehrenamtlichen in Donaustauf spürte. Die Rede von Prof. Münch wurde vielfach von Beifall unterbrochen.
Danach dankte Bürgermeister Sommer – wie jedes Jahr – Bürgerinnen und Bürgern für ihr Engagement, das den Ruf Donaustaufs über die Region hinausgetragen habe. Geehrt wurden der Maler Peter Liebl, der im „Klösterl“ wohnt, das Ehepaar Silke und Maik Umbach, das bei internationalen Tanzturnieren, etwa in Brighton / England und Göteborg / Schweden, vordere Plätze belegt hat, und die Arbeitsgemeinschaft, die seit Jahren den Christkindlmarkt in Donaustauf organisiert. Als deren Sprecherin sagte Marktgemeinderätin Brigitte West, ihr und ihren Mitstreitern komme es darauf an, zur Belebung ihrer Heimat Donaustauf beizutragen. Auch deshalb sitze sie nun seit 34 Jahren im Gemeinderat. Sie erinnerte auch daran, dass auf ihre Initiative die „Marktmark“-Gutscheine zurückgingen, die das Ziel hätten, Kaufkraft am Ort zu behalten. Bürgermeister Sommer ergänzte, dass inzwischen rund eine halbe Million Euro Umsatz durch „Marktmark“-Gutscheine erzielt worden sei. Das sei eine Größenordnung, die sich beim Start dieser Initiative niemand vorstellen konnte.
Zum Abschluss des Neujahrsempfangs trug sich die Festrednerin Prof. Münch ins Goldene Buch der Marktgemeinde ein. Anschließend gab es bei einem kalten Buffet vom Catering-Service Herrmann noch zahlreiche Gespräche.
Text: Bernd Kellermann